31.01.2020: Bezirksrätin Ottilie Eberl zum Thema Euthanasie

Ottilie Eberl
Ottilie Eberl

Vor 80 Jahren  am 18. Januar1940 wurden 25 Männer von Eglfing-Haar in die Tötungsanstalt Grafeneck auf der Schwäbischen Alb deportiert und noch am gleichen Tag mit Gas getötet.

Dies war der Beginn des grausamen Ermordens von kranken und behinderten Menschen. Zwischen 1940 und 1945 wurden cirka 300.000 Menschen als „lebensunwerte“ Personen ermordet.

Bereits 1920 veröffentlichte der Psychiater Alfred Hoche eine Schrift mit dem Titel „Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens“. Das rassenhygienische Programm der „Ausmerze“in Fürsorge und Psychiatrie begann am 14. Juli 1933 mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses. Es folgten 400.000 Zwangssteriliationen. Ab 1939 mussten Kliniken und Pflegeeinrichtungen Meldebögen an die Zentrale in der Tiergartenstraße 4 (T4-Aktion) über ihre Patienten und Bewohner senden. In der Zentrale wurden die Todesurteile mit einem roten Kreuz besiegelt. Auch von Eglfing-Haar wurden sehr viele Patienten nach Grafeneck und Hartheim transportiert und dort sofort durch Gas ermordet. Gleichzeitig begann auch die sog. Kindereuthanasie. Es wurden etwa 30 sog. „Kinderfachabteilungen“ im Laufe des Krieges im Deutschen Reich eingerichtet. Diese hatten keinen Behandlungsauftrag, sondern nur die Tötung der behinderten und kranken Kinder und Jugendlichen zum Ziel. In der „Kinderfachabteilung“ in Eglfing-Haar wurden 332 Minderjährige ermordet. Einer davon ist der Grafinger Bub Lorenz, der siebenjährig am 1. Februar 1945 gestorben ist. So wie ihm wurde den meisten Kindern eine mehrfache, überdosierte Gabe von Luminal verabreicht. Dies induzierte eine Lungenentzündung. Die Täter konnten so den Mord verschleiern und einen natürlichen Tod vortäuschen. Auch Vernachlässigung und Nahrungsentzug wurden als Tötungsmethoden angewandt. In den Artikeln der Ebersberger Zeitung und der Süddeutschen Zeitung ist dazu auch über den Grafinger Jungen Lorenz berichtet. Dringend notwendig ist es , diesen Opfern zu gedenken und die Erinnerung wach zu halten. Für den Landkreis Ebersberg gilt es, die Namen der Opfer zu sammeln und einen würdigen Gedenkort zu suchen. www.merkur.de/lokales/ebersberg/ebersberg-bayern-isar-amper-klinikum-bekennt-sich-zu-vergangenheit-13431462.html www.sueddeutsche.de/muenchen/ebersberg/grafing-lorenz-muss-sterben-1.4760171

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